Sonntag, 27. August 2017

Die Teufelsmauer bei Kessel / Oschitz unweit von Böhmisch Aicha im Vorland des Jeschkengebirges





Einst, als es mit dem Römischen Reich langsam bergab ging, musste sich der römische Kaiser Mark Aurel (121-180, eindrucksvoll dargestellt von Alec Guinness in dem Film "Der Untergang des Römischen Reiches" von 1964), mit dem Volk der Markomannen herumplagen, die einst - lange bevor der Urvater der Tschechen, Čech genannt, von sonstwoher kommend, das spätere Prag erreichte - das böhmische Becken bis an die Gebirgsränder heran locker besiedelten. Von Vindobona aus schickte damals der römische Kaiser ein "Expeditionskorps" in das Markomannengebiet, um Informationen über seinen Gegner im ersten und zweiten Markomannenkrieg ("expeditio Germanica prima et secunda") zu erhalten. Also marschierte eine Gruppe von Legionären von Vondobona ("Wien") aus gen Norden - durch dichte, fast menschenleere Buchenwälder und Flusssümpfe - ja, bis auf einmal Schluss mit der Wanderung gen Norden war: Vor ihren erstaunten Gesichtern erhob sich auf einmal eine 4 bis 12 m hohe Gesteinsmauer, die sich kilometerweit hinzog, so dass sie wieder umkehren mussten. Wir wissen das heute deshalb, weil sich Bruchstücke des Expeditionsberichtes (natürlich in Latein geschrieben) erhalten haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie nun vor mehr als 1837 Jahren - so wie ich heute (27.08.2017) - die damals noch intakte und insgesamt 20 km lange "Teufelsmauer" im Vorland des Jeschkengebirges erreicht haben, ist recht hoch. Denn ansonsten würde ihr Bericht offenbar keinen Sinn machen.

Bei der "Teufelsmauer" (Čertova zed) handelt es sich um eine im Schnitt ca. 1,5 bis 2 m breite und in ihren besten Zeiten (als sie noch nicht zu Schotter oder Bausteinen verarbeitet war) bis zu 12 m hohen Mauer aus waagerecht geschichteten Basaltsäulen, die man heute noch an etlichen Stellen aufgeschlossen betrachten kann. Ihre Entstehung führt uns in jene ferne Zeit zurück, als während der Kreidezeit das heutige böhmische Becken von einem Meer bedeckt war, in dem sich Klastite in Form von mergelreichen Sandstein ablagerten, die dann später u. a. die Daubener Sandsteinplatte (sowie die böhmische und sächsische Schweiz) bildete. Viele Millionen Jahre später, im Tertiär, begann es im Egergraben ganz arg zu rumoren (es setzte dessen Spreizung als Grabenbruch ein) und in der ganzen Gegend - in Richtung Osten bis nach Görlitz (Landeskrone), dem Zittauer Gebirge (Lausche, Hochwald) und dem Isergebirge (Buchberg bei Klein Iser) - begann es intensiv zu vulkanisieren. Es bildeten sich Spannungen in den Gesteinsmassen, die sich in Erdbeben entluden. Und solch ein Erdbeben zerriss im Tertiär die Sandsteinplatte südwestlich des heutigen Jeschkengebirges. Es bildeten sich einige lange, mehrere Meter breite Risse, die sich schnell mit basaltischer Magma füllten. Der längste dieser Risse zog sich von den Bösigen (Bezdez) bis nach Swetla (Světlá) am Fuße des Jeschken hin und erreichte eine Länge von 20 km. Das passierte im Zeitalter des Miozäns (ca. 20 Millionen Jahren). Später, als es aufgehört hatte zu vulkanisieren, verwitterte der Sandstein und der harte Basalt blieb als "Mauer" stehen. Und so würde sie noch heute stehen und Touristen aus aller Welt nach Nordböhmen locken - ja, wenn man sie nicht, beginnend im Mittelalter, zuerst zu Bausteinen (die leicht zu gewinnenden Basaltblöcke findet man noch heute überall in der Gegend als Fundament alter Bauernhäuser) und dann - bis etwa 1920 - zu Straßenschotter verarbeitet hätte. Der Abbau war nämlich äußerst bequem. Man kann das erahnen, wenn man oberhalb von Kessel (Kotel) beim Straßenabzweig beim Kalvarienberg den Wanderweg zur Teufelsmauer einschlägt. Denn links davon bemerkt man als Erstes einen ca. 2 bis 4 m breiten Graben, der die ehemalige Position der Basaltmauer nachzeichnet. Der Abbau erfolgte einfach entlang von dessen Querschnitts, und zwar solange, bis sich der Lehrer Otakar Fendrych im Jahre 1920 dafür einsetzte, wenigsten noch einen kleinen Rest davon der Nachwelt zu erhalten. 1929 hat dann der Tschechische Staat Teile davon aus Privatbesitz zurückgekauft und unter Schutz gestellt. Und nur deshalb kann man die Teufelsmauer noch heute - wenn auch arg rudimentär - besichtigen.

Aber es gibt auch noch eine andere, nicht geologische Deutung ihrer Existenz. Sie wurde lange Zeit mündlich überliefert, bis sie von Prof. Amand Paudler aufgeschrieben wurde und erklärt sehr gut, warum diese Mauer "Teufelsmauer" heißt:

„Die Kessler, welche hart an der Sprachgrenze wohnen, mögen immer gut deutsch gesinnt gewesen sein, auch für ihre Muttersprache manchen harten Strauß auszufechten gehabt haben. So erklärt es sich, daß ein Bauer in Kessel seine Seele dem Teufel verschrieb, wenn er in einer Nacht, bis der Hahn krähe, zwischen den Deutschen und den Czechen eine lange Mauer baue. Doch zuletzt bekam der Bauer in der Nacht eine gewaltige Angst und erzählte die Sache seinem Weibe. Diese ging sofort zum Hühnervolke und rief vernehmlich „Kikeriki! Kikeriki!“, worauf der Haushahn erwachte und den gewohnten Morgenruf erschallen ließ, so daß bald alle Hähne im Dorf der Reihe nach antworteten. Das erbitterte den Teufel, der den Schlußstein noch in der Hand hielt und er warf ihn fort. Lange lag dieser Stein zwischen Kessel und Böhmisch Aicha, wo ihn mein Gewährsmann noch selbst gesehen hat. Auf jeden Fall ist deshalb die Mauer nicht fertig geworden.“ 

Klingt auch irgendwie plausibel, nicht war?


Samstag, 26. August 2017

Ein paar Naturaufnahmen aus dem August 2017 (Oberlausitz, Nordböhmen)


Ampferspanner


Becherflechten


Gemeine Binsenjungfer


Dreimasterblume


Nymphen der Feuerwanze


Gelbe Skabiose


Hauhechel-Bläuling


Blutrote Heidelibelle


Bunter Hohlzahn


Gelbe Mordfliege


Gelbe Mordfliege


Pyramideneule


Reh-Dasselfliege


Reh-Dasselfliege


Rösels Beißschrecke


Nacktschnecke vor...


und nach dem Schreck...


Sonnenblume


Dachspfote


Wespenspinne



Zimbelkraut


Blaugrüne Mosaikjungfer



Fliege, Seitenansicht


Kleine Mordfliege


Leinkraut


Puppen und eine Larve der Stechmücke


Augenpaar Raubfliege


Goldglänzender Rosenkäfer



Schwarze Heidelibelle



Gemeine Sichelschrecke



Dienstag, 22. August 2017

Sonnenflecken vom 20.08.2017

Ein Gastbeitrag von Dr. Armin Matauschek

Mittlerweile gibt es in der Mitte der Sonne einen recht großen Sonnenfleck -SF 2671, der aus mehreren Teilen besteht. Trotz starker Windböen sind ein paar schöne Aufnahmen im Weißlicht und H-alpha gelungen. Da die Sonnenfleckgruppe sehr lang ist, musste ich einen linken und einen rechten Teil fotografieren sowohl im Weißlicht als auch im H-alpha.











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