Freitag, 20. Oktober 2017

Wanderung über Kessel nach Zwetlai (Nordböhmen)




Da wir in Nordböhmen schon häufig wanderten, kehren wir gern auch an Orte zurück, die wir von früheren Touren in guter Erinnerung haben. Solch ein Ort ist Zwetlai (Svetla), gelegen am Südhang des Jeschkenkammes im Gebiet der Sprachgrenze. Zwar geht man auf dieser Tour, ganz gegen unsere Gepflogenheiten, streckenweise auf Asphalt, dafür wird man großartigen Ausblicken belohnt. Auf den Sträßchen ist aber kaum Verkehr zu erwarten. 

Beginnen wir unsere Tour in Oschitz (Osečná). Kurz hinter dem Ort erwartet uns auf dem Dreiheiligenhügel schon eine Sehenswürdigkeit von Format, die monströse Dreiheiligenstatue. Im 17. und 18. Jahrhundert fiel eine große Einwohnerzahl Böhmens Kriegen und deren Folgen zum Opfer. Aus Respekt vor den Opfern dieser Katastrophen befahl Kaiser Karl VI. in ganz Österreich Pestsäulen zu errichten. Die Herrschaft in Aicha (Český Dub) ließ daraufhin in den größten Ortschaften drei Statuengruppen errichten: in Oschitz , in Aicha und in Liebenau (Hodkovice nad Mohelkou). Größe, Ausführung und Erhaltungszustand des Monuments bei Oschitz sind beachtlich. Am Fuße des Hügels gibt es dann schon eine erste schöne Aussicht über Oschitz und das Polzental.

Auf besonderen Wunsch der Wanderfreunde legen wir einen Abstecher zur Teufelsmauer (Čertova zeď) ein (Umweg 2 km). Wäre diese Naturerscheinung nicht Anfang des 20. Jahrhunderts dem Mineralstoffabbau zum Opfer gefallen, hätten wir hier eine touristische und geologische Sensation von Weltgeltung zu bewundern. Die Mauer aus vulkanischem Gestein zog sich ursprünglich über fast 20 km von Zwetlai (Světlá pod Ještědem) bis zu den Bösigen und erreichte eine Breite von ca. 2 Metern und eine Höhe von bis zu 20 Metern. Nur in der Nähe von Kessel (Kotel) ist noch ein Stück zu sehen. Auf dem Weg dahin fallen allerdings die tiefen Schürfungen auf, aus denen der Basalt regelrecht ausgegraben wurde. Nach den Beschreibungen von Dr. Hantschel führte früher streckenweise ein Wanderweg über diese Mauer. 

Zurück zu unserem Weg. In Kessel begegnen wir einer ehrwürdigen 1000-jährigen Linde (870 – 950 Jahre, bei Bäumen nimmt man es nicht so genau, da darf schon einmal aufgerundet werden). A. Bretschneider, Autor eines Beitrages der Sächsischen Zeitung hat miterlebt 

… wie an einem Sommertag elf Kinder nach und nach im hohlen Stamm verschwanden und, als genügend Baumbewunderer beisammen waren, ein ohrenbetäubendes Gebrüll darin anfingen. Die ahnungslosen Radtouristen, die vorbei kamen, erschraken bis ins Mark. Einer der Bengels sagte nachher, dass die Rasselbande in den Schulferien mit diesem Trick immer wieder erfolgreich ist.‘ (Sächsische Zeitung, 25.09.2017)

Langsam wandern wir dem Jeschkenkamm entgegen. Auf der gesamten Tour treffen wir auf keine Gaststätten (das Hostinec in Zwetlai hatte bisher bei unserer Anwesenheit immer geschlossen), so dass jener, der auf ein Bier scharf ist, dieses im Vereinslokal des 'Jested Golfklubs' in Rostein (Rozstání) zu sich nehmen sollte.

Vorbei an schön gelegenen Grundstücken, stets den Gipfel des Jeschken vor Augen, beginnt nun der Anstieg nach Zwetlai, das letzte Stück durch einen großen Hain von Obstbäumen (hier unbedingt mal bei der Baumblüte her!). Mit dem Anstieg entfaltet sich im Rücken auch zunehmend die Sicht auf das Polzenland mit seinen Kegelbergen.

Zunächst aber pausieren wir in diesem herrlichen Weiler Zwetlai unmittelbar an der Barock-Kirche des Hl. Nikolaus, vis á vis die Statue der Karolína Světlá (1830-1899), die in ihren Romanen dem kargen Leben der hiesigen Bevölkerung ein Denkmal setzte. Wie gehabt, hat die urige Gaststätte 'U Richtrú' heute wieder einmal geschlossen, aber wer außer uns kehrt hier schon mitten in der Woche ein?

Nun beginnt der Teil der Wanderung, wegen dem wir hier herauf gewandert sind. Entlang der Höhenlinie gehen wir durch die Ortslagen von Hodek (Hodky) und Ober Passek (Hoření Paseky). Hübsche bäuerliche Anwesen und Wohnhäuser domizilieren hier in einer Lage, die eigentlich mit Geld nicht zu bezahlen ist. Ein fabelhafter Ausblick tut sich auf über die Kegelberge der Polzenlandschaft bis zu den Höhen des Lausitzer Gebirges. Die Witterung ist etwas zwielichtig, so dass das Auge wohl noch in der Lage ist, die Staffelung der Berge und Höhenzüge in der Ferne aufzulösen, die Kamera ist es leider nicht. Aber, wir sehen das ja heute nicht zum ersten mal, denn auch unsere Kammwegwanderung führte uns entlang dieser Trasse. Für diesen Wegabschnitt nehmen wir uns also gehörig Zeit zum Plaudern und zum Genießen, denn der Rückweg über Drausendorf (Druzcov) nach Oschitz führt fast ausnahmslos bergab. Vom alten Friedhof bei Drausendorf bietet sich uns noch einmal ein herrlicher Blick hinüber zu den Bergen des Lausitzer Gebirges.

Die GPS-Daten zu dieser Tour findet man hier.




Dreiheiligenstatue


Blick über Oschitz und das Polzenland




Teufelsmauer




Abgelegt



1000 – jährige Linde in Kessel


Aufstieg von Rostein nach Zwetlai








Kirche des Hl. Nikolaus zu Zwetlai






Meist geschlossen, Gasthof ‚U Richtrú‘



Denkmal zur Erinnerung an Karolina Swetla (Tipp: Heimatmuseum Böhmisch-Aicha)


Schöne An- und Aussichten auf dem Weg von Hodek nach Ober Passek










Blick über Drausendorf


Am Ortsrand gelegen: der Friedhof von Drausendorf




Zurück in Oschitz...



Ästiger Stachelbart

Fotos Rainer Gründel, Zittau/Olbersdorf

Dieses Prachteexemplar des seltenen "Ästigen Stachelbartes"wächst am Stadtrand von Reichenberg (Liberec) in Nordböhmen...













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