Sonntag, 19. Juni 2011

Essay: Fukushima und der "Große Blackout"

Diesem düsteren Geschlecht ist nicht zu helfen; man mußte nur meistenteils verstummen, um nicht, wie Kassandra, für wahnsinnig gehalten zu werden, wenn man weissagte, was schon vor der Tür steht.  (Goethe)

Nun ist es so gut wie amtlich: "Deutschland ist ab 2022 "atomfrei"" (welch ein Adjektiv!). Jetzt brauchen die Parlamentarier nur noch in einer ruhigen Minute kurz die paar Hundert Seiten Gesetzestext überfliegen und dann im Juli die Hand heben. Was die Regierung beschließt, wird sein. Immerhin hat der geballte Sachverstand einer Ethik-Kommission von gestandenen Fachleuten, z.B. der Katholische Theologie, den von der Regierung Hals über Kopf gewünschten "Atomausstieg" vorgeschlagen - und die sich dadurch selbstreferenzierend in ihrem Vorhaben bestätigt fühlt. Und das Ziel ist klar. Fukushima darf sich in D nicht wiederholen. D wird zum Musterländle der "Erneuerbaren Energien" ausgebaut und die Welt wird uns in Kürze mit Neid betrachten und uns nacheifern wollen (nur ganz am Rande, Energie ist nicht erneuerbar, höchstens regenerativ). Und damit die verordnete Atomfreiheit auch wirklich ewiglich währt, sollte der totale Ausstieg natürlich in das Grundgesetz übernommen werden, am besten in Form einer "Ewigkeitsklausel" - was pikanterweise insbesondere die Linken fordern (inkl. einiger Sympathisanten aus anderen Parteien). Welch eine Vision!

Ja, wenn da nicht das böse Wort vom "Blackout" die Fast-Idylle stören würde (manche "Grünen" wollen gar das Atomausstiegsgesetz ablehnen, weil der "Ausstieg" nicht schnell genug geht und sie selbstverständlich die Protest-Volksfeste gegen Kernkraftwerke und Endlager sowie Castor-Transporte auch in den nächsten Jahrzehnten weiter durchführen möchten). Ein Wort also, welches die auf Atomausstiegskurs gebrachte Bevölkerung noch in letzter Minute verunsichern soll mit dem "offensichtlichen" Ziel, die Pfründe der "Energiekonzerne" (alles böse Kapitalisten) auch in Zukunft zu sichern. Nur leider hat blöderweise die Bundesnetzagentur selbst dieses Wort ins Spiel gebracht und zwar nicht aus Spaß oder um sich selbst zu ärgern (es handelt sich um eine Regierungsbehörde), sondern weil die Gefahr eines lokalen oder sogar eines landesweiten Stromausfalls mit dem Abschalten einer großen Zahl von Kernkraftwerken (die normalerweise 22% des deutschen Strombedarfs decken) nicht geringer, sondern viel, viel größer geworden ist. Und diese Aussage stammt nicht von Greenpeace-Aktivisten oder Bischöfen, sondern von Leuten, welche die physikalischen und netztechnischen Grundlagen der Energieversorgung verstehen und die am Ende gefährliche Netzfrequenzschwankungen, die durch eine schnelle Wechsellast bedingt sind, ausregeln müssen (nur zur Erinnerung und ohne das Thema fachlich zu vertiefen: Die Netzfrequenz (d.h. die 50 Hz) steigt immer dann, wenn mehr Leistung eingespeist (die Flügel der WKA's drehen sich grad besonders schnell) als gerade verbraucht wird. Wird die 50.2 Hz-Grenze erreicht, müssen schnell ganze Windparks oder Photovoltaikanlagen vom Netz getrennt werden, um einen Blackout zu vermeiden - sollten alle anderen Regelmechanismen versagen. Aber das ist nur einer von vielen Aspekten des Problems.).  

Also, in diesem Essay wollen wir unter einem "Blackout" nicht einen etwaigen Geisteszustand eines Politikers, sondern vielmehr den plötzlichen regionalen Zusammenbruch (Totalausfall) der Elektroenergieversorgung verstehen. So etwas hat es schon gegeben und so etwas wird es auch in Zukunft geben. Kanadier und Amerikaner haben darin bereits mehr Erfahrungen als wir Europäer (die Italiener einmal ausgenommen). Die Kanadier aufgrund der Auswirkungen eines "Sonnensturms" (13. März 1989), die Amerikaner aufgrund eines maroden Energieverteilungsnetzes. Viele werden denken, nicht weiter schlimm. Dann schauen wir mal ein paar Tage kein Fernsehen und wenns im Winter passiert, wärmen wir uns halt gegenseitig. Vielleicht hilft die ganze Aktion sogar der z.Z. schieflaufenden demografischen Entwicklung auf die Sprünge... Leider ist die Sache ernster. Vom Standpunkt eines Netzwerkbetreibers ist ein flächendeckender Blackout ein Super-Gau, der für eine technologisch geprägte, auf Wohlstand auf hohem Niveau orientierte Gesellschaft äußerst gefährlich - für einzelne Personen sogar lebensgefährlich - werden kann. Dabei sind vordergründig die Großstädte erst einmal stärker betroffen als der ländliche Raum. Um diese Auswirkungen wenigstens an einigen Beispielen transparent zu machen, folgt jetzt ein Abschnitt, der gewöhnlich unter "Panikmache" eingestuft würde:

Was bedeutet nun ein plötzlicher Blackout ganz konkret? Was bedeutet ein plötzlicher Zusammenbruch der Energieversorgung z.B. einer Großstadt wie Stuttgart oder Berlin? Im Bundestag im Reichstag und in den Regierungsgebäuden erst einmal gar nichts, denn dort werden mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort die Notstromaggregate anspringen und zumindest eine zeitlang den Status quo wieder herstellen. Trotzdem wird sich Panik und Geschäftigkeit breitmachen, denn die Handy-Netze und das Internet werden ausfallen. Dramatischer äußern sich dagegen die ersten Stunden in der Stadt selbst. In den Krankenhäusern wird man mit immer größerer Sorge auf die Notstromaggregate achten, denn von ihrem Funktionieren hängt das Leben vieler Patienten ab. Und man wird sich überlegen müssen, wo man neuen Diesel herbekommt, wenn der Blackout länger anhält. In den Hochhäusern werden Fahrstühle steckenbleiben, was bei deren Fahrgästen sicherlich auch keine positiven Empfindungen ("Abwärts") auslösen wird. Viel gefährlicher ist jedoch, daß die gesamte Infrastruktur nur mit Strom funktioniert. Zwar kann es sein, daß die Bahn weiterfahren kann (wenn ihr separates Stromnetz nicht vom Blackout betroffen ist). Aber in den Kaufhallen funktionieren die Registrierkassen nicht mehr, Geldautomaten spucken kein Geld mehr aus und bei den Bürgern zuhause beginnen die Kühlschränke und Kühltruhen, ohne die ein moderner Stadtmensch im Großstadtdschungel nicht mehr überleben kann, langsam aufzutauen. Und wer nur einen Elektroherd hat, wird wohl seine Ernährungsgewohnheiten auf "Kalte Platte" umstellen müssen. Auch ist zu erwarten, daß der Straßenverkehr in den Städten zusammenbricht, weil die Signalanlagen ausfallen und die Tankstellen keinen Sprit mehr in die Autotanks pumpen können. Nachts ist es weitgehend dunkel und nur hier und da sieht man in den Fenstern im Hintergrund Taschenlampen oder Kerzenlicht flackern (ja, wer hat denn heutzutage noch Kerzen zuhause?). Es ist weiterhin möglich (und sogar wahrscheinlich, wie Erfahrungen in anderen Ländern zeigen), daß einige Zeitgenossen den Ausfall der öffentlichen Ordnung und den Ausfall von Sicherungsanlagen nutzen werden, um sich das zu beschaffen, was ihnen sonst verwehrt ist. Und auch die Kraftwerke, die selbst Strom produzieren, haben keinen Saft mehr. Ob dieser Zustand beherrschbar ist, hängt entscheidend davon ab, wie lange der Netzausfall andauert. Der naturbedingte Blackout in der Region Quebec in Kanada vom 13. März 1989 forderte allein 12 Tote wegen ausgefallener Heizungen und in abgelegenen Gegenden kamen die Menschen erst nach zwei Wochen wieder in den Genuß des "Stroms aus der Steckdose". 

Und zur Erinnerung: Einen kleinen Vorgeschmack, was ein Blackout bedeutet, hat das "Münsterländer Schneechaos" vom 25.11.2005 geliefert (und vielleicht bringt man im Fernsehen wieder einmal das BBC Dokudrama "If the Lights Go Out" - um das "Gruseln" nicht zu verlernen).

Verschiedentlich wird die Meinung in den Medien kolportiert, daß die Gefahr eines Blackouts in D völlig irreal sei, denn gerade die (nun dauerhafte) Abschaltung von 8 Kernkraftwerken zeigt doch ganz deutlich, daß wir auf sie gut und gerne verzichten können. Denn nirgends in D ist irgendetwas von Stromknappheit zu bemerken. Schaut man jedoch etwas hinter die Kulissen, dann relativiert sich diese Aussage doch immens. Auch dazu nur folgende Stichpunkte:
  1. Für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit wurden sofortige Stromimporte notwendig, ja essentiell. Bereits jetzt im Frühsommer, einer Zeit geringer Last und hohem "alternativen" Stromaufkommen, mußten Leistungen bis zu 8000 MW aus Frankreich und Tschechien zugekauft werden. 
  2. Aufgrund der angespannten Netzsituation haben die verantwortlichen Firmen zumindest teilweise auf längst eingeplante Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Hochspannungsnetzen verzichtet, um das Risiko flächendeckender Stromausfälle zu minimieren.
  3. Auch wurden fällige Wartungsarbeiten an Gas- und Kohlekraftwerke auf Wunsch der Bundesnetzagentur gestoppt, damit sie auf Vollast weiter betrieben werden können. Darüberhinaus hat E.on begonnen, "eingemottete" klassische Kraftwerke wieder ans Netz zu bringen, um auf Leistungsengpässe schnell reagieren zu können und die Regelkapazität zu erhöhen.
Die Bundesnetzagentur sah sich veranlaßt, nicht intern, sondern öffentlich vor einer weiteren Beschneidung der KKW-Kapazitäten zu warnen ("Alle AKW's sofort vom Netz, forderten nicht nur schlichte Gemüther). Wahrscheinlich konnte sie sich nur so bei ihrer vorgeschalteten Regierungsbehörde Gehör verschaffen, was allein schon bedenklich ist. "Das Netz ist gerade noch gemäß EU-Mindest-Sicherheitsstandards zu betreiben." ist eine weitere, alarmierende Meldung der genannten staatlichen Behörde. 

Während man am Anfang in unseren Nachbarländern den totalen germanischen Atomausstieg noch mit Verwunderung ("German angst") aufgenommen hat, wird es multiliteral langsam etwas ernster und rauher. Denn die Energieversorgung ist längst kein nationales Problem mehr. Denn mit der endgültigen Abschaltung von vorerst 8 Kernkraftwerken in D fällt D als Stütze für das europäische Netz aus. Dazu nur folgendes, da irrsinniges Beispiel, daß der Brüsseler Verordnungswut geschuldet ist:

Da D nicht mehr in der Lage sein wird, Strom in nennenswerter Menge zu exportieren, sind unsere Nachbarländer, z.B. die Niederlande, auf Stromimporte aus anderen Ländern, z.B. Tschechien, angewiesen. Da die Niederlande und Tschechien, wie ein Blick in Google Maps eindrucksvoll beweist, keine gemeinsame Grenze haben, müssen die georderten Strommengen - in Temelin produziert -, durch das deutsche 380 kV-Netz geschleust werden. Der Fachausdruck dafür lautet "Durchleitung". Eine Durchleitung ist immer mit einem Verlust an Leistung verbunden. In dem genannten, leider nicht fiktiven Beispiel, sind das ~100 MW, die auf der Strecke bleiben und die aufgrund der Liberalisierung des europäischen Energiemarktes der deutsche Steuerzahler zu berappen hat. Und der 100 MW Leistungsverlust (an billigen, "schmutzigen" Atomstrom) wird rein rechnerisch gerade durch das gesamte, extrem teure und hochsubventionierte 100000 Dächer-Solarprogramm der Bundesregierung wieder ausgeglichen (Quelle VDI). Im normalen Leben würde man hier von einer Deppenwirtschaft sprechen.

Das schlimmste Szenario für die Bundesnetzagentur wäre übrigens ein kalter (früher normaler) Winter mit einem stabilen "Sibirienhoch" mit deutschlandweiten Hochnebel. Die Solardächer liegen unter einer weißen Schneedecke. Nirgends weht ein Lüftchen und im Wald hört man im Frost die Äste knacken. Zuhause laufen die Heizlüfter auf Hochtouren und der Tauchsieder erwärmt das Wasser für einen heißen Grog. Nur die Mitarbeiter der Netzüberwachung sind dem Herzinfarkt nahe ...  Aber um dieses Szenario zu vermeiden, will man ja ein Atomkraftwerk auf Sparflamme halten (was immer das auch bedeuten mag). 

In der Atomausstiegsdebatte wird immer der Begriff des nichthinnehmbaren Restrisikos bemüht, um die möglichst sofortige Stillegung aller (zumindest deutschen) AKW's zu fordern. Was ist aber, wenn sich stattdessen das Risiko einer instabilen Stromversorgung auf einen nichthinnehmbaren Wert erhöht? Bis heute hat die "Kernkraft" in D noch keine Todesopfer (d.h. die sich sicher kausal darauf zurückführen lassen) gefordert. Wie wird es aber bei einem kurzen oder längeren Blackout aussehen? Ich meine, darüber ist auch in der Ethikkommission zu wenig nachgedacht worden. Aber das ist nur ein Aspekt. Ich vermute, daß der europäische Verbund in den meisten kritischen Fällen einen derartigen Blackout verhindern wird - dafür sorgen dann die bestehenden oder geplanten Kernkraftwerke in Frankreich, Tschechien, Polen und den Niederlande. Was aber viel mehr Sorgen machen sollte, ist die Aussage, daß man "glaubt" (nach meinen Beobachtungen das Lieblingswort unseres derzeitigen Umweltministers) die Energieversorgung bis zum Jahr 2022 ohne (auch importierten) Atomstrom ersetzen zu können. Und hier sind Zweifel angesagt. Eben lese ich, daß nun - wo sich die Atomdebatte ihrem vorläufigen Ende neigt - sich die ersten Greenpeace-geführten Demonstrationen auf die nun wieder notwendig gewordenen (alte und neue) Kohlekraftwerke einzuschießen beginnen ("CO2 zerstört die Welt" stand auf einem Plakat). Man fragt sich, haben die Leute nicht denken und ein klein wenig rechnen gelernt? Brauchen sie erst einen "Blackout" um zu erkennen, daß Wind und Sonne per se keine grundlastsicheren Energieformen sind?  Mittlerweile schwant es aber auch einigen grünen Experten, daß man elektrische Energie nicht effektiv speichern kann. Deshalb wurde die Mär von den neuen Stromspeichern erfunden. "Neu" ist vielleicht etwas übertrieben, denn Pumpspeicherwerke werden seit eh und je zur Netzstabilisierung benötigt. Alle existierenden deutschen Pumpspeicherwerke besitzen im Idealfall eine Speicherleistung von ~6000 MW. Stellen wir uns einfach mal ganz dumm und fragen uns, was denn passiert, wenn im Herbst, sagen wir mal einen ganzen Tag lang, der Wind besonders stark weht und die Windkraftanlagen nahe ihrer Nennlast arbeiten. Bleiben wir dabei optimistisch, daß über diesen Zeitraum hinweg nur 10000 MW als Überkapazität in das Stromnetz eingespeist werden. Dann benötigt man schon 240000 MWh Speicherkapazität, um diese Leistungsspitzen sicher abzufangen. Unsere Pumpspeicherwerke haben aber nur eine Gesamtleistung von ~6000 MW (entspricht einer Speicher-Energiemenge von ~60000 MWh), vorausgesetzt, sie sind im Sommer leergelaufen ... Da wird wohl die Netzagentur die Windmühlen abschalten müssen, wenn nicht das Licht ausgehen soll. Ich jedenfalls glaube nicht daran, daß in D noch weitere, große Pumpspeicherwerke gebaut werden können. Da steht der organisierte Bürgerprotest dagegen...

Obwohl in dem neuen "Energiekompromis" steht, daß D trotz des Atomausstiegs auf seinen ehrgeizigen Klimazielen (d.h. was den nationalen CO2-Ausstoß betrifft) festhält, wird sie dieses Versprechen aus objektiven Gründen nicht einhalten können. Um das zu erkennen, reicht gesunder Menschenverstand, unterstützt von einem handelsüblichen Taschenrechner, völlig aus. So hat allein das "Atommoratorium", welches im März verkündet wurde, zur Produktion von rund 8 Millionen Tonnen zusätzlichen CO2 geführt. Wer will, kann ja mal gerne nachrechnen, wieviel CO2 zusätzlich produziert wird, wenn man die Kapazitäten aller 210 Kernkraftwerke der Welt von heute auf morgen wieder durch klassische Kraftwerke (regenerative Energien sind, weltweit gesehen, eigentlich vernachlässigbar) ersetzen möchte. Ich glaube, die immer wieder kolportierte "Vorbildwirkung" der Deutschen wird sich in dieser Beziehung auch in Zukunft in der Wahrnehmung des Auslandes in Grenzen halten. Denn auch dort spürt man bereits die ersten Anzeichen des schleichenden Klimawandels mit seiner für viele Menschen potentiell tödlichen Wirkungen. 

Erinnern wir uns. Die Verringerung des CO2-Ausstoßes war schon immer (d.h. seit das Problem des menschengemachten (?) Klimawandels erkannt wurde) eine Herzensangelegenheit der Grünen. Gerade bei diesem Thema spielen aber wieder Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen eine Rolle, die darin gipfeln, daß das, was man landläufig als "Klimakatastrophe" (oder nicht ganz so dramatisch, als "Klimawandel") bezeichnet, sich mittel- und (eher) langfristig zu einer Überlebensfrage der Menschheit entwickeln kann (die Klimakatastrophe kommt ganz bestimmt irgendwann in der Zukunft. Ob innerhalb oder außerhalb des Zeithorizontes der Menschheit, ist jedoch die Frage). Geht man von ethischen Dimensionen aus, so sollte abgewogen werden (will man nicht anderweitig "Zurück zur Natur"), ob mögliche lokale Unfälle durch Kernkraftwerke die Menschheit in ihrem Bestand mehr gefährden als eine schleichende, durch anthropogenen Kohlenstoffeintrag in die Erdatmosphäre beförderter Klimawandel. Wer das Argument bringt, daß auch noch seine Enkel und Urenkel eine intakte Umwelt vorfinden sollen, muß sich zumindest darüber auch einmal Gedanken machen. Dabei gilt es eine Balance zwischen widersprüchlichen Szenarien zu finden. Dazu kurz stichwortartig einige (begründete) Behauptungen und Gedanken:
  • Der Trend der Zunahme der Weltbevölkerung wird sich kurzfristig nicht umkehren, sich langfristig aber einen Grenzwert annähern (z.Z. liegt die jährliche Zuwachsrate bei ca. 75 Millionen Menschen pro Jahr, die fast nur von den Entwicklungsländern geleistet wird). Ende dieses Jahres wird nach Angaben der UNO die 7 Milliarden-Grenze erreicht werden. 
  • Diese Menschen benötigen Energie zum Überleben (Nahrungsmittel) und für den Aufbau von Wohlstand.
  • Die Energie dafür stammt primär von der Sonne und zwar entweder permanent (wichtig für Pflanzen als Ausgangspunkt von Nahrungsketten) sowie gespeichert in fossilen Kohlenstofflagerstätten (genutzt als "freie" Energie für industrielle Produktion und Wohlstandssicherung).
Soll der "Wohlstand" steigen und möglichst alle Menschen davon partizipieren, dann reicht aus technischen und Effektivitätsgründen gegenwärtig der "alternative" Anteil an verfügbarer Energie bei weitem nicht aus (man vergleiche einfach Zahlen und Wirkungsgrade). Technologische Entwicklung wird deshalb global gesehen noch lange Zeit auf fossile Energieträger auf Kohlenstoffbasis sowie auf Kernspaltung (Fission) angewiesen sein (man beachte auch, daß die Erschließung alternativer Energiequellen wie Windkraft und Photovoltaik erst einmal riesige Mengen an Energien verbraucht und sie nur dann in der Bilanz effektiv sind, wenn sie sich in dieser Beziehung schnell amortisieren, d.h. über die Lebensdauer ihrer "Aggregate" (wie WKA's oder Solarzellen) viel mehr Energie erzeugen als für ihre Herstellung verausgabt wurde).
  • Das Überleben der Menschheit erfordert eine intakte Umwelt, die aber durch den Klimawandel im Großen und lokal durch Ressourcen- und Flächenverbrauch (Monokulturen von "Energiepflanzen") nicht mehr gewährleistet ist.
Das Zeitfenster für eine Beherrschung des sich objektiv abzeichnenden Klimawandels wird offensichtlich immer kleiner, so daß aus Gründen der Risikovermeidung eigentlich der Kohlenstoffverbrauch (=CO2-Ausstoß) weltweit reduziert werden müßte. (Nur als Hinweis, ob der Klimawandel in der erwarteten Form wirklich eintreten wird, spielt bei dieser Frage eine untergeordnete Rolle. Klimasysteme besitzen die Tendenz einer großen Pufferwirkung. Wenn jedoch der Umschlag von Quantität in eine neue Qualität eintritt, dann gibt es kein zurück mehr. Wenn man also weiß, daß die Verbrennung fossiler Energieträger die Konzentration des Treibhausgases CO2 immer weiter erhöht und es dadurch zu einer gefährlichen Klimaverschiebung kommen kann, dann sollte man es aus rationalen Gründen nicht darauf ankommen lassen. Die Argumentation entspricht hier genau dem der Atomkraftgegner. Der Unterschied ist nur, daß im Falle von Kernkraftwerken (siehe Chernobyl) die Kontamination zwar großräumig, aber immer noch lokal begrenzt ist. Ein schnell vonstatten gehender Klimawandel kann das Leben vieler Millionen Menschen überall auf der Erde jedoch ganz real bedrohen.) 

Aus rationalen Gründen ist es deshalb angebracht, das globale Klimaproblem in der Energiepolitik im Auge zu behalten, was aber nur international Sinn macht. Das Hauptaugenmerk sollte deshalb weiterhin in einer signifikanten Verringerung der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Förderung emissionsfreier Energiequellen gerichtet werden. Und hier ist die Kernspaltung, was Energieeffizienz und Vermeidung von Treibhausgasen betrifft, weltweit immer noch und trotz Fukushima die erste Wahl. Das sieht man auch darin, daß D mit seinem überhasteten Atomausstieg in der Welt ziemlich allein dasteht. 

Natürlich sollte man die jetzige Kernkraftwerkstechnik als Brückentechnologie betrachten aber nicht in dem Sinn, daß man sie durch landschaftsverbrauchende (und vögelmordende) Windkraftanlagen zu ersetzen gedenkt. Ziel sollte es sein,

1. neue Generationen von inhärent sicheren Kernkraftwerken zu entwickeln, eventuell mit einem Brennstoffkreislauf, welcher die Menge hochradioaktiver Abfälle begrenzt (Technologien werden derzeit entwickelt, siehe z.B. GEN-IV International Forum). Bei derartige Kernkraftwerken kann es  schon aus rein physikalischen Gründen zu keiner Kernschmelze kommen. Leider hat sich D Dank rot-grüner Politik mittlerweile aus dem Klub der jetzt 7 Nationen verabschiedet, die technologisch in der Lage sind, Kernkraftwerksanlagen entwickeln und zu bauen. Selbst die Forschung auf diesem Gebiet wird seit Jahren ideologisch behindert und verhindert, so daß auch die Kompetenz langsam, aber sicher verloren geht mit dem Ergebnis, das "deutsche Expertenmeinungen" weltweit nicht mehr ernst genommen, geschweige denn gehört werden.Wer glaubt, daß unsere Windmühlen einmal Exportschlager werden, verkennt, daß derartige Anlagen mittlerweile auch Drittwelt-Länder selber bauen können.

2. sollte man viel mehr Anstrengungen auf die Förderung des leider auch aus finanziellen Gründen ziemlich dahindümpelnden Gebietes der künstlichen Kernfusion unternehmen. Zwar spielt D hier immer noch eine gewisse Vorreiterrolle (Greifswald). Aber wer weiß, wie lange noch. Steckt doch auch hier das böse Wort "Kern" im Wort "Kernfusion". Und das es zwischen "Fission" und "Fusion" einen gewichtigen Unterschied gibt, hat sich bei vielen Ideologen aller Farbrichtungen noch nicht so richtig herumgesprochen.


Fukushima - Ein paar Anmerkungen
Plutonium, Jod, Cäsium und Fukushima
Der lange Arm von Fukushima
Fukushima und der "Rat der Weisen"

Und für alle von uns, die sich ein kindliches Gemüht bewahrt haben und Märchen lieben (Herzlichen Dank, Herr Dr. Keil)

Dreizehn Energiewende-Märchen


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1 Kommentar:

  1. Ich denke, hier sind einige wichtige Argumente aufgeführt. Nichtsdestoweniger sind die Gefahren durch Kernspaltung(skraftwerke) sauber zu bewerten. Ich habe schon seit einiger Zeit das Argument: Man stelle sich vor, Karl der Große (KdG) hätte eine solche Form der Energiegewinnung gehabt. KdG hat vor etwas mehr als 1000 Jahren gelebt. Glaubt jemand im Ernst, dass das damals - fiktiv - vorhandene Knowhow zur Beherrschung einer solchen Technologie über all die Kriege und Auseinandersetzungen hinaus gerettet hätte werden können?

    Ich spreche damit das Thema der Endlagerung an. Diese muss ja wohl einige 1000 Jahre "stabil" bleiben, damit es unser Homo Sapiens Rasse dann auch noch gut geht!

    kleiner Witz am Rande, von einigen Kabarettisten kolportiert:

    Treffen sich 2 Planeten im Weltraum. Sagt der eine: "Na wie geht es Dir denn?" - stöhnt der andere: "oh - nicht so gut, habe homo sapiens!!" - "och", meint der erste, "das geht vorüber" ...

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