Freitag, 31. Dezember 2010

Blauflügel-Prachtlibelle


Kleinode unserer Insektenwelt sind die Prachtlibellen (Calopterygidae). Sie kommen zwar hauptsächlich in den Tropen vor, aber einige Arten halten es auch im mitteleuropäischen Klima aus. Eine der selteneren und vielerorts bereits verschwundene Art ist die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo), Sie benötigt um zu überleben klare, schmale und natürlich unverschmutzte Waldbäche. Das abgebildete, am Kalkberg zwischen Ringelsdorf (Rinoltice) und Weißkirchen (Bily Kostel) fotografierte Weibchen fällt insbesondere durch die für Prachtlibellen typische filigrane Äderung ihrer Flügel auf:


Man findet sie zwischen Mai und August in Bachnähe, wo sie oft auf niederer Vegetation Rast machen. Da sie aber recht scheu sind, ist es schwierig, mit der Kamera nahe genug an sie heranzukommen. Aber mit etwas Geduld gelingt das auch.

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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Totenstein bei Kunnersdorf in Böhmen



Es gibt abseits von normalen Wanderwegen einige interessante Örtlichkeiten, die sich immer einem Besuch lohnen. Einer davon ist der Jungfernsprung oder Totenstein (Skála smrti) unweit von Zwickau (Cvikov) in Böhmen, der an einer scharfen Biegung des Zwittebaches bei Kunnersdorf (Kunratice u Cvikova) gelegen, aber nicht unbedingt leicht zu finden ist.  Deshalb soll als Erstes erklärt werden, wie man am besten diese Örtlichkeit erreicht. Dazu noch ein kleiner Hinweis. Wenn Sie ihre Kinder zu dieser kurzen Wanderung mitnehmen möchten, stecken sie sich eine Taschenlampe ein. Sie werden sie brauchen können.

Kunnersdorf  liegt, wenn Sie auf der E442 aus Richtung Lemberg kommen, kurz vor Böhmisch Zwickau rechts und links der Europastraße. Wenn Sie sich aus dieser Richtung dem Ort nähern, müssen Sie links abbiegen, sobald Sie den Ort erreichen und im Ort wiederum links in die schmale Einfahrt in Richtung Lindenau (Lindava) einbiegen, die ausgeschildert ist.  Diese Straße müssen sie ca. 1.5 Kilometer folgen bis Sie wieder auf bewohntes Gebiet treffen, welches früher einmal Müllerloch (Mlynářská díra ) genannt wurde. Am linken Straßenrand, dort wo bereits der Zwittebach zu sehen ist und ein erneuertes, auffälliges eisernes Wegkreuz mit einem Kruzifix auf einem weißen Sandsteinsockel steht, ergibt sich die Gelegenheit zum Parken. Ein paar Schritte zurück gelangen Sie rechterhand auf einen Weg, den Sie jetzt an einer Koppel und an einem auffälligen Wohnhaus vorbei folgen sollten, bis sie am Rand eines Gartens nach wenigen Hundert Metern eine nicht sehr gut sichtbare Wegkreuzung  erreichen.  Hier müssen Sie unbedingt den Weg am Uferbereich des Zwittebaches wählen, obwohl der Weg an dieser Stelle nicht unbedingt einen sonderlich guten Eindruck hinterläßt. Er  verengt sich zu einem malerischen felsigen Tal und führt uns geradewegs zum Totenstein. Die sumpfige Bachniederung mit ihren reichen Weiden- und Erlenbeständen fördert ein starkes Pflanzenwachstum und der botanisch Interessierte wird hier eine ganze Anzahl interessanter und anderswo seltener Arten finden. Zu nennen ist hier z.B. das Bachnelkenwurz (Geum rivale), der echte Baldrian (Valeriana officinalis) und vielleicht noch das Sumpfvergißmeinnicht (Myosotis scorpioides) . Im Frühjahr verschönern Massenbestände der Sumpfdotterblume (Caltha palustris)  mit ihren großen, leuchtendgelben Blüten, das Tal. 

Achten Sie jetzt auch auf die Sandsteinfelsen am linken Rand des Weges. Bereits am Eingang des Tales sieht man hinter dichtem Gestrüpp eine Anzahl in die Felsen gehauene Keller. Wahrscheinlich standen in früheren Zeiten davor einmal Bauernhäuser, deren Bewohner tiefe, oftmals in mehrere Räume aufgeteilte Gewölbe in den weichen Sandstein geschlagen haben. Solche in Stein gehauene Gewölbe findet man übrigens häufig in dieser Gegend. Soweit sie in noch heute bewohnten Orten liegen (z.B. in Lindenau), werden sie oftmals noch als Lagerräume genutzt, wie die mit Schlössern versehenen Holztüren davor beweisen.


Nach wenigen Schritten gelang man zu einem ersten auffälligen Felsen, der mit seinem dunklen Eingang verblüffend einem Bunker der Schöberlinie ähnelt. Ein in den Fels eingemeiselter „Kopf mit Stahlhelm“ verstärkt noch diesen Eindruck. Das Begehen dieser und der noch folgenden Höhlen ist übrigens völlig gefahrlos. Eine Taschenlampe hilft aber, deren Inneres zu erkunden. Man erkennt dabei, daß sie von Hand mit Spitzmeiseln mühevoll aus dem Sandstein herausgearbeitet worden sind. Dabei ist die nächste und bei weitem größte Höhle wahrscheinlich einmal zur Gewinnung von Feinsand für die Glasindustrie (ähnlich wie im nahe gelegenen Wellnitztal)  angelegt worden. Sie öffnet sich am Wegrand unbesehen in einen langen und innen immer breiter werdenden Gang, der einige Dutzend Meter in den Sandstein hineinführt. Innen herumliegende Gegenstände jüngerer Zeitl lassen vermuten, daß diese Höhle ab und an immer noch als Abenteuerspielplatz verwendet wird.

Da der Boden durchgängig eben und mit feinem Sand bedeckt ist, kann man die Höhle unbesehen auch ohne Taschenlampe betreten. Schon nach kurzer Zeit haben sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt und es lassen sich im schwachen Licht, welches schwach durch den Eingang in das Innere gelangt, die beachtlichen Ausmaße des künstlichen Gewölbes erahnen.

Aber diese Höhle ist nicht das eigentliche Ziel der Wanderung. Ein paar Schritte weiter, und man erkennt durch die Bäume hindurch an einer steil aufragenden Felswand übermannsgroße, aus dem Felsen plastisch herausgearbeitete Figuren, insbesondere einen Ritter auf einem Roß und eine mit ausgestreckten Armen und wallendem Haar herabstürzende junge Frau. Das ist der Jungfernsprung. Der gleichfalls gebräuchliche Name „Totenstein“ rührt von einer Sage her, deren dramatisches Ende in diesem Felsenmonument nachgestaltet ist:

Die Sage vom Totenstein 

"... Und sieh´ ein Engel breitet leise
Um´s fromme Weib die Flügel aus
Der Sprung gelingt ihm wunderweise
Und glücklich kommt es bald nach Haus.
Herrn Kunz begräbt sein Pferd im Falle,
Ein wilder Fluch - sein letzter Ruf!
Am Totenstein siehst du die Kralle
Von Teufelshand - vom Pferdehuf... „
(Josef Friedrich, Zwickau)

Die Hintergründe zu dieser Sage liegen in ferner Vergangenheit.  Der Ritter Kuno (nach dem der Ort Kunnersdorf benannt sein soll, Kurzform von „Konrad“), besaß eine Burg auf dem Abhang des Schloßberges (Zámecký vrch ) gegenüber der heutigen Kirche. Von dieser Burg ist so gut wie nichts mehr erhalten, da sie während der Hussitenkriege, wahrscheinlich im Jahre 1429, größtenteils vernichtet und später kaum mehr genutzt wurde.  Ruinenreste waren noch bis ins ausgehende 17. Jahrhundert vorhanden, wurden dann aber zur Bausteingewinnung abgetragen.  Der Sage nach soll sich eine jungfräuliche Müllerstochter aus einem nahegelegenen Ort dem Nachstellungen des Ritters nur dadurch entzogen haben, daß sie in Todesmut auf einem Felsen in den Abgrund sprang, wo sie, von Engeln getragen, auch sicher ankam, während der Ritter mit seinem Pferd zu Tode stürzte. 


Das Relief im Zwittetal, das zur Kunnersdorfer Schweiz gehört, ist erst ca. 100 Jahre alt. Es wurde im Rahmen der Erschließung dieser Gegend durch den „Gebirgsverein für das nördliche Böhmen“  im Jahre 1910 von zwei einheimischen Künstlern angelegt, deren Namen nicht  vergessen werden sollen:  Karl Beckert, ehemals Oberlehrer aus Kunnerdorf sowie Karl Bundesmann, ehemals k. und k. Gendarmerie-Wachtmeister ebenda. Eine neu restaurierte Metallplakette an der Felswand erinnert an ihr Wirken. Von ihnen sind noch weitere Arbeiten erhalten geblieben wie z.B. das Theodor-Körner-Relief am nahegelegenen Hohlstein bei Zwickau oder die restaurierte Sandsteinkapelle auf dem Weg von Kunnersdorf nach Klein Grün (Drnovec ). Auch in der Nähe des Totensteins gab es von Ihnen ein weiteres Relief, das aber leider schon kurz nach der Fertigstellung im Jahre 1912 von künstlerisch wenig angetanen Zeitgenossen aus Lindenau (Lindava) zerstört wurde. Es zeigte einen alten Mann, den eine junge Frau mit einem Krug Quellwasser versorgte in Allegorie an die Goethe-Worte „Edel sei der Mensch, hülfreich und gut!".


Das Schicksal hat es nicht gut mit ihnen gemeint,  da beide noch ihre Vertreibung aus ihrer geliebten Heimat miterleben mußten.

Ringelnatter

Diese kleine Ringelnatter (Natrix natrix) hat ganz vorsichtig mein Kater Humpel angeschleppt, so daß ich die Gelegenheit hatte, sie zu fotografieren. Sie war bestimmt erst vor wenigen Wochen aus dem Ei geschlüpft, denn sie ist gerade einmal 15 cm lang. Eine richtig ausgewachsene Ringelnatter kann dagegen durchaus schon einmal 1.20 Meter Länge erreichen. Bei uns ist sie nicht sonderlich selten, zumindest dort, wo es noch Teiche mit vielen Wasserfröschen gibt. Die Ringelnatter ist eine völlig harmlose Schlange, die kinderleicht an ihren beiden gelben Flecken am Kopf zu erkennen ist. Sie ist ausschließlich tagaktiv, sonnt sich gern an ungestörten Plätzen und ist ansonsten ein guter Schwimmer, der sich hauptsächlich von Fröschen, ihren Kaulquappen und kleinen Fischen ernährt. 


Ihre Eier, die sich pergamentartig anfühlen, legt sie gern in Komposthaufen ab, wo die bei der Zersetzung der organischen Substanzen entstehende Wärme deren "Ausbrüten" begünstigt. Als Kind hatte ich mal ein solches Gelege gefunden. Aber Schlangen sind daraus leider nicht geschlüpft ...


Und hier noch eine Porträtaufnahme eines ausgewachsenen Exemplars:


Scheckhorn-Distelbock


Nicht alle Bockkäfer (Cerambycidae) verbringen ihr Larvenstadium im Holz alter morscher Bäume. Es gibt eine ganze Anzahl von Arten, deren Larven sich in Stengeln von z.B. Disteln oder Brennesseln entwickeln und ganz ansehnliche Käfer wie diesen Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens) hervorbringen. Man findet den gut 2 cm langen Bockkäfer im Mai und Juni an Waldrändern und Waldbächen mit viel Bewuchs, wobei er gern auf Doldengewächsen sitzt. Die Aufnahme entstand im Auental bei Weißkirchen (Bily Kostel) im böhmischen Teil des Lausitzer Gebirges.


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Mittwoch, 29. Dezember 2010

Somewhere over the Rainbow




Somewhere, over the rainbow, way up high.
There's a land that I heard of Once in a lullaby.
Somewhere, over the rainbow, skies are blue.
And the dreams that you dare to dream
Really do come true.
Someday I'll wish upon a star and wake up where the clouds are far Behind me.
Where troubles melt like lemon drops, Away above the chimney tops.
That's where you'll find me.
Somewhere, over the rainbow, bluebirds fly. Birds fly over the rainbow,
Why then - oh, why can't I?
If happy little bluebirds fly beyond the rainbow,
Why, oh, why can't I?




Man kann sich der bemerkenswerten Erscheinung eines Regenbogens auf zweierlei Art annähern: Einmal in Form eines Naturerlebnisses, als eine Art magischer Augenblick, wenn noch während eines abklingenden Gewitterregens die Sonne durch eine Wolkenlücke bricht und sich über den Himmel ein Bogen bunten Lichtes ergießt. Solch ein Augenblick muß Edgar Y. Harburg inspiriert haben, das Lied "Somewhere over the Rainbow" zu schreiben, welches in der Vertonung von Harold Arlen und gesungen von Judi Garland nicht nur die Verfilmung von Lyman Baums "The Wizard of Ozz" (1939) weltberühmt gemacht hat. Mich jedenfalls treibt es immer aus der Wohnung ins Freie, wenn sich an einem Sommertag spätnachmittags während eines Regenschauers ein Regenbogen ankündigt. Dann  versuche ich den farbverkehrten Nebenregenbogen auszumachen, der jedoch nicht immer zu sehen ist (schauen sie sich mal den rechten oberen Teil des Fotos an). Und da kommen wir zur zweiten Art, einen Regenbogen zu betrachten - als meteorologisch-physikalisches Phänomen, dessen Deutung zuerst Isaak Newton gelang. 

Man könnte nun meinen, die profane Erklärung eines Regenbogens anhand der Reflektion und Brechung von Sonnenlicht an Wassertröpfchen mache seine Poesie zu nichte. Man kann sich aber auch überlegen, daß wir fast alles, was wir über unsere Sonne oder die Sterne wissen, letztendlich der Zerlegung ihres Lichtes durch Prismen und Beugungsgitter, kurz der Spektralanalyse, verdanken - also einer technischen Verfeinerung des Prinzips "Regenbogen". Ich glaube, daß ein Regenbogen noch an Schönheit gewinnt, wenn man versteht, wie er entsteht. Es ist ähnlich wie mit einer Blume, die ein Botaniker seziert. Richard Feynman hat in diesem Zusammenhang einmal geschrieben (freie Übersetzung aus "The Sceptical Inquierer"):

"Die Schönheit, die eine Blume hat, entgeht einen Wissenschaftler wie mich keineswegs, wenn ich sie in ihre Teile zerlege. Aber ich sehe dabei eine tiefere Schönheit, die sich anderen nicht ohne weiteres erschließt. Ich sehe die komplizierten Wechselbeziehungen in der Blüte. Die Blüte ist rot gefärbt. Sie hat eine Farbe - bedeutet das, daß sie sich in der Evolution entwickelt hat, um Insekten anzulocken? Damit ergibt sich bereits eine neue Frage: Können Insekten Farben sehen? Haben sie irgendein Gespür für Ästhetik? u.s.w. Ich verstehe nicht, wie eine Blüte an Schönheit verlieren soll, wenn wir sie untersuchen. Es kommt immer nur Schönheit hinzu."


Warum sieht man im Sommer nie einen Regenbogen zur Mittagszeit? Warum sind beim zweiten Regenbogen die Reihenfolge der Farben vertauscht? Warum erscheint der Himmel unterhalb des Bogens manchmal etwas heller?


Dienstag, 28. Dezember 2010

Genabelte Maskenschnecke


Die Maskenschnecke (Isognomostoma holosericum) gehört zur Famile der Schnirkelschnecken (Helicidae), deren größter heimischer Vertreter die Weinbergschnecke ist. Während wohl schon fast jeder einmal eine Weinbergschnecke gesehen hat (und wenn es bei "Kaufland" im Kühlregal war (*)), ist die Maskenschnecke etwas für den Spezialisten. Sie ist ziemlich selten und besiedelt bei uns die Ränder von Geröllhalden ("Steinerne Meere") von ehemaligen Vulkanbergen. Diese Aufnahme ist auf dem Gipfel des Roll entstanden. Sie zeigt sehr schön die feinen Härchen auf ihrer Schale, die in mehrfacher Hinsicht interessant ist. Die Schnecke (Gehäusedurchmesser ~1 cm) kann nämlich bei Trockenheit oder Kälte ein sogenanntes Epiphragma (Gehäuseverschluß) aus ausgehärteten Schleim und Kalziumkarbonat ausbilden. Außerdem besitzt sie (was nur bei leeren Schalen zu sehen ist) zwei "Zähne" in der Gehäusemündung. Das soll ihre ärgsten Feinde, Laufkäfer, das Eindringen zu deren Nahrungsquelle erschweren.


(*) mit Kräuterbutter


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Pilze - Orangeroter Becherling


In manchen Pilzjahren gar nicht selten - ein Schmuck unserer Wälder: der Orangerote Becherling (Aleuria aurantia). Dieser Schlauchpilz, der theoretisch sogar geniesbar ist, findet man im Spätsommer an unbewachsenen Stellen an Wegrändern oder ehemaligen Feuerstellen im Wald. Er fällt durch seine Färbung auf und ist deshalb unverwechselbar. Die größeren Exemplare haben meist einen Durchmesser von 4 bis 5 Zentimeter und bilden kleine Schüsseln, in denen sich bei Regenwetter Wasser sammelt. Versucht man ihn vorsichtig aus der Erde zu heben, geht er meistens kaputt, da sein Fruchtkörper sehr spröde ist. Als Schlauchpilz ist er den Pilzen auf verschimmelten Brot bei weitem näher verwand als dem allseits beliebten Steinpilzen oder Champignons.

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Montag, 27. Dezember 2010

Violettrandiger Laufkäfer


Bei uns hier im Lausitzer Gebirge gibt es mehrere Dutzend Arten von Großlaufkäfern (Carabidae), von denen man den Violettrandigen Laufkäfer (Carabus violaceus) manchmal auch am Tage auf Waldwegen finden kann. Dabei meidet er sonnige Tage. Auffällig sind seine stahl- bis violettblauen Ränder, die besonders am Halsschild zu erkennen sind. Ansonsten sieht er wie ein zu klein geratener Lederlaufkäfer aus, dessen Flügeldecken aber nicht ganz so glatt sind. Auch mit dem gleichgroßen und ansonsten sehr ähnlichen Glatten Laufkäfer kann man ihn leicht verwechseln. Der Käfer (Länge ca. 3 cm), der sich wie alle Großlaufkäfer besonders gern von Schnecken, aber auch von gerade dem Wasser entstiegenen Lurchen ernährt, kann als Imago bis zu zwei Jahre alt werden. Die hier vorgestellten Fotos entstanden am Fuße des Tanneberges in der Nähe des gleichnamigen Waldbahnhofs in Nordböhmen. 


Waldschwebfliege


Die häufige Waldschwebfliege (Volucella pellucens) gehört zu den größeren Arten ihrer Familie, deren Mitglieder wahre Könner des Schwirrfluges sind. Wegen ihrer Größe und einer gewissen Ähnlichkeit mit der Erdhummel (ein Hautflügler) wird sie manchmal auch "Hummel-Schwebfliege" genannt. Sie ist im Sommer allerorten an lichten Waldwegen anzutreffen, wo sie oft Rast auf den Blüten von Korbblütlern oder anderen, meist weißen Blüten, macht (z.B. Hartriegel):


Achten Sie einmal darauf: "normale" Schwebfliegen im Allgemeinen (das sind die kleinen Schwirrfliegen, die im Sommer quasi in der Luft stehen und bei Annäherung plötzlich verschwinden) kann man leicht mit gelben Gegenständen anlocken, da sie quasi auf gelbe Blüten programmiert sind. Die Waldschwebfliege ist da eine Ausnahme, da sie nach meinen Beobachtungen mehr weiße Blüten bevorzugt. Wenn sie nicht gerade an einer Blüte saugt, sieht man sie bei windstillen, sonnigen Wetter in 3 bis 4 m Höhe über Waldwegen in der Luft stehen. Ihnen dabei mit einem Fernglas (oder ersatzweise mit einnem Teleobjektiv) zuzusehen, kann sehr amüsant sein - obwohl es nur eine Fliege ist ...


Sonntag, 26. Dezember 2010

Nebelschildkäfer


Schildkäfer sind eigenartige Geschöpfe. Sie verbergen ihren kleinen Kopf mit den beiden knopfartigen Augen unter einen breites ausladendes Halsschild. Ihre Form ist typisch und ähnelt so gar nicht den Habitus, den man gewöhnlich von Vertretern der Blattkäfer (Chrysomelidae) erwartet.


Der Nebelschildkäfer (Cassida nebulosa) war früher häufiger, als man die Rübenfelder noch nicht mit "Chemie" behandelt hat. Denn seine Larven mögen besonders Rübenblätter - aber nicht allein. Man findet sie auch an anderen Gewächsen, da sie polyphag sind. 


Die erwachsenen (adulten) Käfer sind nicht selten, aber man übersieht sie leicht. Außerdem sind sie durch ihre Färbung recht gut getarnt. Ich habe ihn dieses Jahr (2010) bei einer Exkursion durch Drausendorf nach Hirschfelde (bei Zittau) entdeckt und mit meinen 60 mm Makro frei Hand fotografiert.

Der Roll bei Niemes



Was hat schon seit grauen Jahren
Unser Roll im Polzental geseh’n?
Der Hussiten trotzig wilde Scharen
Sah er kommen, kämpfen und – vergeh’n.
Doch die deutschen Gau’n
In der Polzenau’n
Blieben fest im Wettersturm bestehen!

Das Lied vom Roll,  J.L.Haase



Eine der eindrucksvollsten Berge um Wartenberg (Straz pod Ralskem) und Niemes (Mimon) ist der 696 Meter hohe Rollberg oder Roll (Ralsko), ein ehemaliger tertiärer Vulkan, dessen Schlot die unterliegende kreidezeitliche Sandsteinplatte durchstoßen und einen noch heute mächtigen Kegel aus Phonolith aufgebaut hat. An seinem unmittelbaren Fuß finden wir den Ort Neuland am Roll (Noviny pod Ralskem) sowie das kleine Rabendörfel (Vranov) unterhalb der Juliushöhe. Beide eignen sich als Ausgangspunkte für eine Besteigung des Rollbergs.

Was diesen Berg besonders interessant macht, sind die steinernen Reste einer der ältesten Burgen Böhmens, die seinen Gipfel zieren. Über ihr wird noch Einiges zu berichten sein.


Für den Aufstieg bieten sich zwei Wege an. Entweder direkt vom Rabendörfel  (Vranov) aus (der Weg beginnt am sogenannten Molkenkrug, einem schlanken alleinstehenden Sandsteinfelsen) oder von Neuland (Noviny pod Ralskem) kommend von der Verbindungsstraße aus über den neu markierten Wanderweg. Er folgt in etwa dem klassischen Aufstieg, den einst auch die Erbauer der Burg und die Burgbesatzung nehmen mußten. Er beginnt recht flach, führt an einem einzelnen Bunker der Schöberlinie vorbei um dann steil durch einen herrlichen Buchenwald (der stellenweise durch den Orkan Kyrill stark gelitten hat) stetig bergauf zu führen. Im oberen Drittel biegt er in einen ringförmigen Pfad um den Gipfel ein der dahingehend bemerkenswert ist, da er teilweise noch auf einem relativ breiten, mit  Tephritgeröll befestigten Weg verläuft. Über ihn muß man einst die riesigen und schweren Sandsteinblöcke transportiert haben, die man heute noch als Bestandteile der Burgruine sehen kann.


An der höchsten Stelle dieses Ringweges geht dann rechtwinklig und sehr steil der eigentliche Weg zum Gipfel ab. Folgt man dagegen den Weg geradeaus, dann geht es wieder den Berg herab und man gelangt direkt ins Rabendörfel (Vranov). Dieser Weg kann natürlich auch alternativ als Aufstieg benutzt werden.  Aber wir wollen hier den Aufstieg zum Gipfel wählen. Auf der linken Seite des Weges neigen sich eindrucksvoll die ausgedehnten Geröllfelder – auch steinerne Meere genannt – die Bergflanke herab. Sie prägen das Bild des Roll, wenn man ihn z.B. von Niemes (Mimon) aus betrachtet. Am Ende dieses steilen Aufstiegs, der uneben über Steine und Wurzeln alter Bäume verläuft, gelangt man an die Gipfelfelsenwand, an deren Durchbruch sich eine kleine, aber feine Aussichtsplatform befindet. Von hier aus hat man bei guter Sicht einen wunderschönen Blick auf die Stadt Niemes (Mimon) mit seiner Kirche St. Peter und Paul, auf die beiden Bösige sowie über die Wälder bei Hühnerwasser und des ehemaligen militärischen Sperrgebietes, welches sich noch vor wenigen Jahrzehnten zwischen Oschitz und dem Kummergebirge erstreckte.



Jetzt sind es nur noch wenige dutzend Meter, um den Gipfelpunkt mit der uralten gotischen Burgruine zu erreichen. Der schmale Pfad führt an einer Felsenenge vorbei, über der sich in schwindelnder Höhe die Reste des kleineren der beiden Wohntürme  erheben. Es dauert dann nicht mehr lange, und man steht vor der erstaunlich kleinen, mit behauenem Sandstein eingefaßten Eingangspforte zur Burg. Was nach ihrem durchschreiten sofort auffällt, ist der bis auf die erste Etage eingefallene Wartturm linkerhand sowie der mächtige, noch relativ gut erhaltene große und mächtige Wohnturm. Zu ihm führt ein schmaler Pfad an der kaum noch vorhandenen Mauerkante der ehemaligen, die Burg umgebenden Ringmauer, hin. Dabei kommt man kurz hinter dem Eingang an der ehemaligen Burgzisterne vorbei,  die aber leider nur noch ein mit Wasserlinsen und Plasteflaschen bedecktes und ansonsten verschüttetes unförmiges Wasserloch darstellt.





Der Wohnturm, das Hauptgebäude der ehemaligen Ritterburg, ist ein Gebäude von unerschütterlicher Festigkeit mit fast zwei Meter dicken Mauern, an deren Kanten große Sandsteinblöcke eingearbeitet sind. Sie fallen durch ihre feine Bearbeitung und helle Färbung auf. Da es auf dem Roll keinen Sandstein gibt, mußten diese z.T. mehrere Zentner schweren Blöcke einst von Menschen, deren Schicksal längst im Dunkel der Geschichte vergessen ist, mit großer Mühe auf den Berg gebracht worden sein.



Auf der Westseite befindet sich das gut zwei Meter hohe und anderthalb Meter breite Eingangstor, welches heute eine verwitterte Holzbrettertür enthält. Da es keine Treppe mehr gibt, muß man etwas klettern, um in das Innere der Hauptburg zu gelangen. Wenn das geglückt ist, wundert man sich als Erstes darüber, daß die Hälfte des unteren Raumes durch einen schräg nach oben ragenden natürlichen Felsen gebildet wird, der einst bis zum ersten Stock reichte und den nutzbaren Innenraum damit maßgeblich verkleinerte. Natürlich war zu den Zeiten, als die Burg bewohnt war, das Innere des Wohnturms mittels Holzkonstruktionen in mehrere, wahrscheinlich drei Etagen untergliedert, die mehr oder weniger wohnlich eingerichtet waren. Die Wohnfläche jeder Etage betrug dabei ungefähr 38 Quadratmeter. Hier lebten die Mitglieder der Dynastien, denen einst die Burg gehörte. Man erkennt heute noch, daß sich im ersten Stockwerk zwei große Bogenfenster befanden, von denen eins in Richtung Nordosten und das andere in Richtung Südosten zeigte,  jedes 4 Meter breit und zwei Meter hoch, worin einige steinerne Sitzbänke angebracht waren.


Hier sollte man einmal kurz innehalten und sich versuchen vorzustellen, welche Kraftanstrengung es bedeutete, auf dieser unebenen felsigen Bergkuppe mit seinen rechts und links steil abfallenden Flanken einen solchen mächtigen Turm zu errichten.


Begeben wir uns nun wieder zurück in dem nicht ganz so gut erhaltenen Ostteil der Burgruine. Sie wird durch einen stärker zerstörten kleineren Wartturm dominiert, in dem wahrscheinlich einst das Gesinde und das Wehrvolk untergebracht waren. Dazwischen kann man noch einen beide Türme verbindenden Gebäudekomplex erahnen, von dem außer einem Teil der Seitenmauern nicht viel erhalten geblieben ist. Davor, ungefähr in Höhe der Burgpforte, befand sich der Burg- oder Versammlungsplatz, der heute aber durch die eingestürzten und verfüllten Keller und Gewölbe sehr uneben erscheint. Von ihm aus sind sehr schön die Reste der 2 Meter breiten Außenmauer, die vielleicht einmal einen hölzernen Wehrgang getragen hat, deutlich zu erkennen. 

Im Vergleich zum Oybin, dem Dewin oder dem Bösig war die Rollburg nicht besonders groß. Durch ihre steile und abgelegene Lage stellte sie trotzdem für ihre Besitzer eine sichere Feste dar, die mit den Mitteln der Kriegskunst des Mittelalters kaum einzunehmen war. Hier lohnt es sich, etwas über die Geschichte dieser Burg und ihrer Besitzer zu erzählen, die bis weit in das 13. Jahrhunderts zurück reicht und die eine der ersten Burgen in Böhmen war, die nach deutscher Art aus Stein erbaut wurde.

Ihr Ursprung ist zugleich auch der Ursprung des einst mächtigen Adelsgeschlechts der Wartenberger, welches wiederum aus dem Geschlecht der noch älteren Markwartinger hervorgegangen ist. Viele Mitglieder dieser Familie haben in oftmals rühmlicher, manchmal aber auch unrühmlicher Weise ihre Spuren in der böhmischen Geschichte und der Geschichte der Oberlausitz hinterlassen, bis sie mit Johann Georg Wartenberg im Jahre 1625 erloschen ist. Der Name Wartenberg („Wart am Berg“) bezieht sich auf eine alte Feste am Fuße des Rolls im Bereich der heutigen Stadt Wartenberg (Straz pod Ralskem) am Rande des vor über 800 Jahren noch kaum zugänglichen Grenzgebirge zur Lausitz und zu Schlesien, wo der Familienclan seinen Anfang nahm.

Hermann von Ralsko wird bereits in den Jahren 1175 bis 1197 erstmalig urkundlich erwähnt. Aus der wahrscheinlich zuerst überwiegend aus Holz erbauten Burganlage entstand zu dieser Zeit eine feste steinerne Burg, die noch viele Jahrhunderte im Besitz der Wartenberger bleiben sollte. Viele Mitglieder dieser Familie sind den Geschichtsschreibern des alten Böhmens durchaus bekannt, obwohl Daten aus ihrem Leben oft nur bruchstückhaft überliefert sind. Auch wenn sie ab und an die Burg von Vasallen verwalten ließen, haben sie ihrem Namen immer „von Ralsko“ nachgestellt. So ist bekannt, das Johann von Wartenberg, Herr auf Ralsko, im Jahre 1380 seinem Dienstmann Hermann (der sich übrigens dann auch „von Ralsko“ nannte) das Dorf Medney samt umliegender Waldung unter Vorbehalt auf Lebenszeit  zum Lehen gab. Zehn Jahre später übten die Brüder Johann, Wenzel und Peter von Ralsko, wahrscheinlich die Söhne des 1360 erwähnten Wanko von Wartenberg, das Patronatsrecht über die Kirche von Niemes aus.  Was aus Wenzel und Peter von Ralsko geworden ist, weiß man nicht. Lediglich Johann taucht 1405 wieder als Burgherr, als „Johann Chudoba von Wartenberg auf Ralsko“ in Erscheinung. Es wird berichtet, daß er der Pfarrkirche zu Wartenberg zu Fronleichnam einen neuen Altar sowie eine beachtliche jährliche Rente gestiftet hat. Außerdem muß er sich mehrmals mit seinem König Wenzel (des IV, 1361-1419) überworfen haben. Gründe waren Besitzansprüche an der Stadt Weißwasser am Bösig, die in den Jahren 1406 und 1418 sogar zu ernsten kriegerischen Auseinandersetzungen führten.

In jener Zeit begann immer mehr das Hussitenunwesen in den Ländern der böhmischen Krone Fuß zu fassen. Die Hussittenbewegung, die als Reaktion auf die Verbrennung des Prager Professors, Theologen und Reformators Jan Hus (um 1370-1415) entstanden war und auf die der erste Prager Fenstersturz von 1419 zurückgeht, sollte schnell zu einer politischen und militärischen Kraft werden, welche die Mitte Europas in eine fast zwei Jahrzehnte anhaltende Krise stürzte.

Johann Chudoba war alles andere als ein Hussitenfreund. Im Dienste der Witwe Sophie des kurz nach dem Prager Fenstersturz verstorbenen Königs Wenzel ging er mit seinem Kriegsvolk gegen die Aufständischen vor und besetzte im Frühjahr 1420 die Prager Burg. Dort wurde er kurze Zeit später von seinen eigenen Vettern, die dem neuen böhmischen König Sigismund (1368-1437) untreu geworden sind, samt seinen Hauptleuten gefangen gesetzt.  Aber bereits ein Jahr darauf, so berichten die alten Aufzeichnungen, kämpfte er wieder auf kaiserlicher Seite gegen die Hussiten, die zu diesem Zeitpunkt bereits einen großen Teil Böhmens und Mährens unter ihren unheilvollen Einfluß gebracht hatten.

Ab dem Jahre 1426 begannen hussitische Armeen auch die Oberlausitz zu bedrohen, die in mehreren Wellen das Land und die Orte des Sechsstädtebundes heimsuchten. Daß sie da auch der Burg auf dem Rollberg einen Besuch abstatteten, ist dabei nicht verwunderlich, denn immerhin saß da oben einer ihrer ärgsten Feinde. Dieser „Besuch“ geschah in den letzten Apriltagen des Jahres 1426, nachdem die Hussiten die Stadt Niemes zerstört und völlig niedergebrannt hatten. Nur zu ihrem Pech war die Burgbesatzung auf der Hut und die Bestürmung der Felsenburg ging völlig schief und viele Hussiten blieben tot oder verletzt auf den umliegenden Felsen liegen. Johann Choduba von Ralsko hat über diese Begebenheit selbst in einen Brief an die Besatzung der Burg Landeskrone bei Görlitz berichtet: „und auf den Abend sy sich derhuben in den Pergk Rol und wolden sich versucht haben vorbas zu dem Haws, hoben Schaden genommen also sy von der meynen sint myt Schaden abgetrieben“.

Noch im gleichen Jahr änderten sich die Besitzverhältnisse an der Burg und ein anderer „Johann“ von Wartenberg,  der diesmal den Hussiten freundlich gesinnt war und sich ihnen sogar anschloß, zog in die Feste ein. Da die Loyalitätsverhältnisse der Mitglieder des Hauses Wartenberg gegenüber ihren König Sigismund unterschiedlich ausgeprägt waren, kam es oft vor, daß sich die Verwandten gegenseitig bekriegten. So mußte z.B. Sigmund von Wartenberg eine zeitlang als Gefangener seines Vetters Johann des Älteren in einem Turm der Rollburg ausharren.

Dieser „Johann“ beteiligte sich der Sitte der Zeit folgend zusammen mit den Hussiten auch maßgeblich an der Verwüstung der Lausitz und vielleicht sogar an der erfolglosen Belagerung des Oybins im Jahre 1429. Aus dem gleichen Jahr existiert noch eine Notiz, daß er zusammen mit seinem Bruder Marquard die nahegelegene Burg Dewin seinem Verwandten Benesch von Wartenberg vermachte und daß er bei der Veräußerung der Burg Struhanken an die Herren von Waldstein im Jahre 1432 als Zeuge aufgetreten ist. Unter welchen Bedingungen und warum diese Burgen verkauft wurden, wissen wir nicht, da sich darüber die Quellen ausschweigen.

Bekannt ist jedoch, daß um das Jahr 1434 herum die Rollburg genauso wie das Schloß Wartenberg an seinem nördlichen Fuß und der Grafenstein bei Grottau (Hradek) den Wartenbergern verlustig ging. Was die Rollburg betrifft, so soll sie ein gewisser Czapek von San übernommen und zu einem üblen Raubnest gemacht haben. Ein Beschwerdebrief der Sechsstädter Bürger an den Kaiser Sigismund vom 28. März 1435 weist auf die nicht mehr hinnehmbaren Schäden hin, welche die Raubritter in der Umgebung verursachten. Allein sein Mitkumpane Steffan Tlach mit seinen mehreren dutzend Reitern, die sich auf Burg Grafenstein eingenistet hatte, war ein von Zittau bis Görlitz weithin gefürchteter Raubritter, von denen es in dem Brief heißt, daß seine Leute  „reyten, börnen, heeren, morden, fohen die lute und legen H. Reichs Strasse gar darnieder“. 

Bereits 1433 begannen eine Reihe von Feindseligkeiten gegen den Sechsstädtebund, an denen viele Mitglieder der Familie Wartenberg, insbesondere aber Sigismund I von Wartenberg und seine Söhne,  direkt beteiligt waren und die sich fast ein Jahrzehnt hinzogen. Grund war die Hinrichtung eines von Wartenberg auf Ralsko in Zittau am 21. Dezember 1433. Dieser war vom damaligen Lausitzer Landvogt Thimo von Kolditz festgesetzt worden, nach dem bei einer vereinbarten Übernahme der Burg Grafenstein durch die Zittauer 8 von ihnen erschlagen und 26 gefangen genommen worden sind, obwohl Zittau den Kaufpreis von 400 Schock Prager Groschen vereinbarungsgemäß bezahlt hatte. So gesehen war der Landvogt durchaus im Recht. Der kurze Prozeß gegen einen Wartenberger sollte aber für Zittau und für die anderen oberlausitzer Städte noch ein furchtbares Nachspiel haben, welches als „Wartenberger Fehde“ in die Geschichte eingegangen ist. Johann der Ältere von Wartenberg auf Ralsko und mit ihm seine ganze Sippe schworen nämlich blutige Rache für seinen Sohn, der in Zittau nach einem kurzen Prozeß nach einigen Quellen enthauptet und nach anderen zu Tode geschliffen und gevierteilt wurde und setzte sie auch in die Tat um. Besonders tragisch für Zittau war, daß im Jahre 1436 die Grenzfeste Karlsfried am Gabler Paß durch kaiserliche Schenkung an die Herren von Ralsko kam, die sie dann zu permanenten Raubzügen zu den Dörfern und Städten am Fuße des Gebirges nutzten. Außerdem kam auf diese Weise der Handel über die wichtige Gabler Paßstraße nach Böhmen fast völlig zum erliegen, was besonders den Zittauern große finanzielle Schaden zufügte. Aber auch vom Tollenstein und vom Dewin machten sich immer wieder bewaffnete Reiterscharen auf, um das Gebiet der Oberlausitz zu überfallen und zu berauben. Man sagt sogar, daß diese zehnjährige Fehde dem Sechsstädtebund mehr Schaden zufügte als alle Hussiteneinfälle zusammen. Der am 25. Juli 1440 unterzeichnete Landfriedensvertrag sollte eigentlich dem Rauben und Brandschatzen ein Ende setzen. Aber trotz dieser Vereinbarung setzen die Wartenberger ihre Fehde fort, so daß sich im darauffolgenden Jahr die Oberlausitzer zusammen mit ihren Meissner Verbündeten auf den Weg nach Böhmen machten, um die Burgen der Wartenberger ein für allemal zu schleifen und um sie so zum Frieden zu zwingen. Im Ergebnis dieses Waffengangs mußten die Wartenberger schließlich die Grenzfeste Karlsfried und die Burg Winterstein im Elbsandsteingebirge förmlich verkaufen. Karlsfried wurde im Folgejahr 1442 von Zittauer Bauleuten unbewohnbar gemacht und auch dem Winterstein (dessen Name „Hinteres Raubschloß“ noch an jene Tage erinnert) ereilte das gleiche Schicksal.


1444 flammten die Feindseligkeiten zwischen dem Sechsstädtebund und Johann von Ralsko, der jetzt in Tetschen residierte, wieder auf. Dabei wurde die Burg auf dem Dewin einer langen, aber weitgehend erfolglosen Belagerung unterzogen und das oberlausitzer Heer mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. An der als uneinnehmbar geltenden Rollburg scheinen sie dagegen eine Belagerung gar nicht erst versucht zu haben.



In der Folgezeit wechselte die Burg mehrfach ihre Besitzer, was nicht ohne Streitereien abgegangen ist. Auf jeden Fall weiß man, daß Johann von Wartenberg am 31. August 1457 die Burg zurück bekam.


Johann von Wartenberg wurde ein begeisterter Anhänger des böhmischen Königs Georg von Podiebrad (1420-1471), dessen Mutter Anna selbst eine geborene Wartenberg war. Da er an der Königswahl zu Gunsten Georgs 1458 direkt mitwirkte, erhielt er 1460 das erbliche Amt des Mundschenks des Königs. Außerdem wurde er zum Landvogt der Lausitz ernannt. 1664 verstarb er betagt in Bautzen und wurde mit großen Ehren in der Kirche des Barfüßerordens begraben.

Nach seinem Tod erbte einer seiner Söhne, Christoph von Wartenberg neben dem Tollenstein, dem Habichtsstein und der Feste Dewin auch die Rollburg. Sein Bruder Sigismund dagegen weilte in Prag und übte dort das für die Versorgung des königlichen Hofs wichtige Amt des Mundschenks aus (oder besser, ließ es ausüben, denn der „Mundschenk“ war genaugenommen wie der Marschall oder Truchsess ein erbliches Ehrenamt am königlichen Hof).

Als es im Jahre 1467 wieder zu Feindseligkeiten zwischen den Wartenbergern und dem Sechsstädtebund kam, begann auch der Anfang vom Ende der stolzen Burg auf dem Roll. Von diesem „Ende“ geben im Wesentlichen zwei Quellen Auskunft. Einmal findet diese Begebenheit in einem Nebensatz in Carpzovs Chronik Erwähnung. Etwas ausführlicher beschreibt sie Peter Eschenloher in seiner Geschichte der Stadt Breslau, weshalb seine Textstelle hier zitiert werden soll:

1468 umb Martini erstiegen 12 Trabanten aus der Stadt Zittaw das hohe feste Schloß Rol genannt,  Meilen von der Zittau, bei Niemes, und schlugen dabei zu Tode den Herrn mit allem seinem Gesinde und funden dabei viel Güter, die die umbliegenden Ketzer umbs Frieden willen  geführet  hatten. Es war eine ungeheuer ritterliche That. Die Zittawer besetzten das Schloß wohl.

Dieses als „ungeheuerliche ritterliche Tat“  eingeschätzte Unternehmen, an dem auch der Landvogt der Oberlausitz, Jaroslaw von Sternberg, beteiligt gewesen sein soll, muß zu seiner Zeit viel Aufsehen in der nahen und ferneren Umgebung hervorgerufen haben, denn noch viele Jahrhunderte danach erzählte man sich von Mund zu Mund eine Sage darüber. Danach sollen die Zittauer am 10. November 1468 den Roll bestiegen und sich über eine List Einlaß in das „feste Schloß“ verschafft haben. Die Sage erzählt, daß sie, nachdem sie den Viehhirten erschlagen hatten, in der Abenddämmerung zusammen mit dem Vieh in den Burghof gelangten. „Der Thorwächter öffnete bei dem ihm wohlbekannten Klange der Herdenglocken, nichts ahnend, das Einlaßpförtchen. Er wurde ebenso wie die in Schrecken versetzte Besatzung übermannt.

Der Feuerschein der brennenden Burg verkündete die Verwüstung der zu einem Raubnest verkommenden Stammburg der mächtigen Wartenberger. Von diesem Schlag hat sich die Rollburg nie wieder erholt. Sie wurde zwar kurz danach wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt. Die Wartenberger suchten sich aber eine bequemere Bleibe und nur eine Burgbesatzung verblieb auf dem nur schwer zugänglichen Felsen. Die Beziehungen zu den Sechsstädten scheinen sich auch dramatisch verbessert zu haben, denn der Magistrat von Zittau verfügte 1479, daß ein „halbes Fuder Bier“ der Burgbesatzung zum Geschenk gemacht werden soll.

Die restliche Geschichte der Burg ist eine Geschichte des Abstiegs und des Zerfalls. Am 10. Dezember 1481 wurde sie von Christoph von Wartenberg samt Meierhof und einem öden Dorf an seinem Fuße an Hans Zedlitz von Zedlitz verkauft, der aber damit auch nicht viel anfangen konnte. So wurde sie wieder zeitweise ein Ausgangspunkt von Räuberbanden, welche die Umgebung heimsuchten. Später wechselte die Burg noch öfters ihren Besitzer. Sie kam abwechselnd an die Herren von Waldstein, von Bieberstein und an andere, heute weitgehend unbekannte Herrschaften, was sich aber nicht zu ihrem Vorteil entwickelte. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war sie dann endgültig eine verlassene Ruine und völlig unbewohnbar geworden. 

Das edle Geschlecht der Wartenberger verabschiedete sich aus der Geschichte Böhmens an dem Tag, als im Jahre 1625 Heinrich Otto von Wartenberg zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern auf dem Schloß Rothenhof von rebellischen Bauern grausam erschlagen wurde.


Denken sie an die wechselvolle Geschichte der Feste Roll, wenn Sie vom Schauenstein aus ihren Blick über die Landschaft schweifen lassen, so wie es einst auch Herrmann von Ralsko tat.




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Samstag, 25. Dezember 2010

Brauner Storchschnabel


Diese bizarre Blüte gehört zum Braunen Storchschnabel (Geramium phaeum), eine unserer selteneren Geranien. Ich habe sie im Christophsgrund unweit von Kratzau (Chrastava) und Reichenberg (Liberec) in Nordböhmen fotografiert. Häufiger findet man diese Art jedoch in kultivierter Form in Gärten, von wo sie ab und an auch auswildern. Ansonsten liebt sie schattige Waldsäume an Bächen. 

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Listspinne


Im Sommer findet man an Waldrändern auf großen Blättern der niederen Vegetation (z.B. Pestwurz, aber auch auf Brennesseln) oft Raubspinnen der Art Pisaura mirabilis (auch Listspinne genannt) sich sonnen. Wenn man eine von ihnen erspäht hat, muß man mit der Kamera vorsichtig umgehen, denn eh man sich versieht, ist die Spinne unter dem nächsten Blattrand verschwunden. Manchmal bleibt sie aber auch ruhig sitzen und man kann eine Porträtaufnahme wagen:


Die Anordnung ihrer 8 Augen ist dabei ein typisches Merkmal der Raubspinnen, an denen man sie von den ähnlichen Wolfsspinnen unterscheiden kann. Mit etwas Geduld läßt sich auch ihr sonderbares Paarungsverhalten beobachten. Das kleinere Männchen muß dazu erst einmal eine Fliege als Brautgeschenk erbeuten und sie in ein passendes Geschenkpaket einwickeln. Dieses Paket muß es dann zur Auserwählten (die viel größer ist) schleppen und es ihr mit hoch erhobenen Vorderbeinen zur Ansicht vorweisen. Sollte das Weibchen damit zufrieden sein, wird sie das Paket annehmen und dessen Inhalt auf Spinnenart aussaugen, während das Männchen - möglichst ohne selbst erbeutet zu werden - zur Paarung schreiten kann. Später kann man dann die Weibchen ähnlich wie die Wolfsspinnen mit einem Eikokon in den Chelizeren  durch die Gegend laufen sehen. 


Ein Neuntöter



Ein wahrlich typischer Vogel der oberlausitzer Landschaft mit seinen Feldgehölzen und Hecken ist der Rotrückige Würger oder Neuntöter (Lanius collurio). Ich kenne einige Stellen, wo man ihn im Sommer immer antreffen kann - das buntgefärbte Männchen und das unscheinbarere Weibchen. Meist sitzt er wie hier auf seiner Warte auf einem Rosen- oder Schlehdornbusch, von wo er auf Insektenjagd geht. Dabei kann man ihn manchmal wie einen Turmfalken wenige Meter über den Boden rütteln sehen. Singen hört man ihn nur selten und wenn ja, erkennt man in seinem typischen Gesang oft Passagen, die er von anderen Vögeln "ausgeborgt" hat. Die Mähr, daß er ähnlich wie andere Würger Insekten auf Dornen aufspießt, konnte ich noch nicht beobachten. Den Winter verbringt er weit entfernt von uns im südlichen Afrika, z.B. in Namibia.



Alles verboten ...


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Acker-Gauchheil

Auch viele kleine, an sich unscheinbare Blümchen haben ihren Reiz, wenn man sie vergrößert durch eine Lupe betrachtet. Da ist z.B. der rot-orange blühende Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis), der eigentlich überall an Feldrändern vorkommt, aber, da er bodennah wächst, mit seinen kleinen, nur 5 bis 6 mm großen Blüten kaum auffällt. Und im Garten wird er als Unkraut eh untergeharkt.


Die Pflanze selbst ist leicht giftig. Früher glaubte man, daß dieses "Kraut" bei Geisteskrankheiten hilft, also denjenigen Personen, die man damals als "Narren", "Verrückte" oder eben als "Gauche" bezeichnete. Die Bauern benutzten übrigens, als es noch keinen öffentlich-rechtlichen Wetterbericht gab, den Acker-Gauchheil zur Wettervorhersage. Der Acker-Gauchheil schließt nämlich schon frühzeitig die Blüten, wenn sich eine Wetterverschlechterung anbahnt. Deshalb nennt man es manchmal auch heute noch Wetterkraut. Es gibt übrigens noch eine blaublütige Form, die ich selbst schon gesehen, aber noch nicht fotografiert habe.

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Großer Blaupfeil und der Plattbauch


Diese Aufnahme des Großen Blaupfeils (Orthetrum cancellatum) entstand am Olbersdorfer See. Dort gehört sie mit zu den häufigeren Großlibellen der Verlandungszone.


Die Männchen fallen besonders durch ihren hellblau in der Sonne glänzenden Hinterleib (Abdomen sagen die Entomologen dazu) auf. Die Weibchen haben dagegen bei gleichem Habitus ein mehr gelblich schimmerndes Abdomen. Dieser Art ähnlich ist auch die Plattbauchlibelle (Libellula depressa), mit der sie leicht zu verwechseln ist. Man erkennt sie aber leicht an dem Schwarzen Fleck am Flügelansatz:


Dieses hübsche weibliche Tier erwischte ich mit meiner Kamera an einem Teich im ehemaligen Armeegelände von Zittau. Mit einer Spannweite von 80 mm ist sie eine der größten Segellibellen, die es bei uns gibt. Vorteilhaft für den Fotografen ist, daß sie immer wieder zu ihrem "Ansitz" zurückkehrt, so daß man sich beim Fotografieren darauf einstellen kann (z.B. Stativ aufbauen, scharfstellen - und warten).

Zebra-Springspinne


Springspinnen, von denen es in Deutschland ca. 80 Arten gibt, sind zwar kleine (die Zebra-Springspinne wird ca. 7.5 mm lang), aber äußerst neugierige Geschöpfe, bei denen es Spaß macht, ihnen zuzusehen. Sie besitzen für Spinnen besonders leistungsfähige Augen, von denen zwei "Große" vorn an der Stirn sitzen und stereoskopisches Sehen ermöglichen, sowie je drei Weitere an den Seiten. Es ist im Sommer eigentlich kein Problem, eine Zebra-Springspinne (Salticus scenicus) aufzuspüren. Ich brauche dazu nur um das Haus zu gehen und die Fenstersimse abzusuchen. Es dauert dann nicht lange, und ich habe eine behende herumrennende und auch herumspringende Spinne gefunden - vorausgesetzt, es herrscht kein trübes Wetter, denn Springspinnen mögen es warm. Wenn man mit dem Teleobjektiv nahe genug an sie herankommt merkt man förmlich, daß sie sich für das große Ding vor sich interessiert. Sie dreht sich dann ganz fotogen dem Fotografen zu und wartet ab, was wohl passieren wird. Es macht Klick - und das Ergebnis sehen sie oben

Dienstag, 21. Dezember 2010

Ein grünes Blatt


Die große Familie der Spanner (Geometridae), die nach der etwas eigentümlichen Fortbewegungsweise ihrer Raupen benannt ist, enthält zum größten Teil recht unscheinbare Arten. Während die meisten Spanner recht klein sind, erreicht das "Grüne Blatt" (Geometra papilionaria) immerhin eine Spannweite von ~ 5 cm, was es zu einem Riesen unter Ihresgleichen macht. Um es zu fotografieren kommt man nicht umhin, eine nächtliche Exkursion an einen Waldrand mit vielen Birken (insbesondere Betula pendula) zu unternehmen. Die beste Zeit dafür sind die Monate Juli und August. Dort kann man dann den auffällig grünen Nachtfalter mit seinen zwei stark gezackten weißen Querlinien mit etwas Glück mittels einer Taschenlampe aufspüren. Da er nicht scheu ist und auch kaum nervös herumflattert ist er ein ideales Fotoobjekt. Die Raupen, die hauptsächlich an Hängebirken leben, sind auch überwiegend grün gefärbt, besitzen aber mehrere warzenähnliche Auswüchse auf ihrer Oberseite, an die sie der Kenner erkennen kann. Entfernt ähneln sie in etwa einem Birkenfruchtzapfen, was ihre Tarnung natürlich perfekt macht.

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Montag, 20. Dezember 2010

Grünes Heupferd


Unsere größte Langfühlerschrecke, die besonders häufig auf unseren Gebirgswiesen vorkommt, ist das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima). Im Sommer sieht man es oft ganz oben an den Blüten von Disteln und Kletten sitzen, wo es verschiedenste Insekten vertilgt. Sie knabbern aber durchaus auch an den Pflanzen selbst, so wie es die meisten anderen Heuschrecken auch tun. Ihr "Gesang", der besonders in der Dämmerung zu hören ist, ist ein ab und an unterbrochenes Schwirren, welches recht laut und für die Art typisch ist (ja, man kann am "Gesang" einer Heuschrecke ihre Art erkennen). Er wird meistens von einer höher gelegenen Singwarte aus vorgetragen, die, geht man dem Schwirren nach, leicht aufgefunden werden kann. Die Weibchen sind dagegen stumm. Man erkennt sie an ihren langen Legeröhren.


Wie alle Insekten haben auch Heuschrecken leistungsfähige Facettenaugen:



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